SEO als politische Macht

Ganz heiß und sehr kontrovers wird zur Zeit in der SEO-Szene, auf Grund der Stuttgart 21 Krawalle, das Thema diskutiert, ob Suchmaschinenoptimierer eine politische Verantwortung haben (sollten)?

Haben wir das, sollten wir das? Ja natürlich – jeder Mensch hat eine politische Verantwortung, der eine engagiert sich stärker, der andere weniger bis gar nicht, aber eine Meinungen haben wir immer und zu allem. Ab und zu kochen dann bei extremen Reizthemen die Gemüter hoch, ansonsten hält sich die SEO-Szene bei ebenso brisanten politischen Themen aber relativ bedeckt. Warum ist das wohl so? Könnte es damit zusammenhängen das der SEO der auf “Viagra”, oder “Kredit ohne Schufa” optimiert, wohl wissend das die angebotene Dienstleistung, das Produkt nur ein einzigartiger großer Beschiss ist und nur der schnöden persönlichen Bereicherung dient – das dieser SEO sehr wohl weiß, wenn ich die Menschen im Internet belüge, dann brauch ich mich auch nicht aufzuregen, wenn sie bei s21 belogen und betrogen werden (wenn es denn so ist).

Das bringt mich dann zur ethischen Fragestellung und zur Frage nach den Wertevorstellungen, die für eine ethische Entscheidung maßgeblich sind. Was ist richtig, was falsch, was ist gut, oder schlecht in meinem “ach so menschlichem” Handeln? Die erste Maxime sollte doch sein, sich ein Bild zu machen, das so objektiv wie nur irgend möglich ist. Das allein ist bei der subjektiven Berichterstattung der Medien (auch die aus dem Internet, Twitter, Blogs, Facebook etc.) schon ein schweres Unterfangen, den viele neigen dazu das vorgekochte – und gekaute in die “richtigen” Bahnen gelenkte Mediensüppchen allzu schnell zu schlucken. Daher gehe ich völlig konform mit dem Beitrag von Gerald: Politik und SEO?

Google Bombing ist mit Sicherheit die falsche Lösung, eine Online-Reputation ist schnell zerstört, aber trifft es tatsächlich den richtigen, wer ist denn der Mann hinter dem Mann?

Wir SEOs, da wir über diese “ungeheure Macht” und das Wissen verfügen, nahezu beliebig Dinge im Internet zu manipulieren sollten uns ganz klar der besonderen ethischen Veratwortung bewusst sein und dementsprechend handeln. Man muß sich ja nicht unbedingt an den unteren ethischen Standards orientieren… Die Vergangenheit hat uns oft genug gezeigt, wie schnell solche Treibjagden aus dem Ruder laufen können.

Daher die von Gerald geforderte Aufklärung:

Was kostet das wen und wieviel? Wer verdient daran was und wieviel? Was haben die Stadt, das Land, der Staat, die Politiker, das Volk und die Umwelt an Nutzen und Schaden davon? Dazu dann das S21 Hilfsmaterial.

Noch ein Wort am Rande, Frank gibt auch Beispiele für ehrenamtliches Engagement in der SEO-Szene – das sind aber nur die bekanntesten Fälle, weil die Kollegen stark in der medialen Öffentlichkeit stehen. Wir hier von XPlus arbeiten ebenfalls schon lange ehrenamtlich z.B. für die evangelische Kirche im Bonner Raum, oder andere christliche Organisationen. Aber wann immer wir andere SEOs angesprochen haben, sei es nun für einen tentativen Link, oder andere Dinge war bis auf eine rühmliche Ausnahme immer Schweigen im SEO-Wald – da ist es dann mit dem sozialem Gewissen doch nicht so weit her. Liegt das vielleicht auch daran, dass der kirchliche Kindergarten, oder die gesponserte Obdachlosen-Unterkunft sowie deren Einkleidung und Verpflegung, die Bücherei, der Musikunterricht für Kinder, das eben all diese Dinge nicht den medialen Ruhm bringen wie der Knüppel gegen Stuttgart 21? Bild: © cobrasoft, stock.xchng (SXC)

Update:
Bei Webmasterfriday wird nun (bei einer angenommenen Erweiterung) zu diesem Thema die Frage gestellt: Wie politisch kann/darf/sollte ein Blog sein? Sicher auch ganz interessant dort die Kommentare und Pingbacks zu durchforsten.



Kommentare

4 Kommentare to “SEO als politische Macht”
  1. Alex sagt:

    Auch SEOs sind nur Menschen, nicht mehr uns nicht weniger. Ich schließe mich voll der Meinung an, dass jeder eine Verantwortung trägt, dies gilt sicher noch mehr für alle Arten von Multiplikatoren. Da sind SEOs auch nichts anderes als Lehrer oder Journalisten, die dafür sorgen, dass mehr Leute von einer Meinung erfahren.
    Allerdings gibt es überall Extremisten (im guten wie im schlechten), Leute die sich für nichts interessieren oder die nur das Geld sehen. Da sind auch wir SEOs nicht besser und dass merkt man in dieser Diskussion auch meist sehr schnell. Die einen Fordern den Einsatz für die Gerechte Sache, andere wiegeln ab oder beziehen opponierende Positionen.
    Ich persönlich glaube da einfach mal an die Demokratie auch im Netz. Bei solchen Themen wird es wohl genügend SEO-Kompetenz auf beiden Seiten geben, um dann letztlich in den Suchmaschinen einen mehr oder minder gleichwertigen Kampf zu führen wie er sich auch in den Zeitungen und auf der politischen Bühne abspielt oder glaubt jemand ernsthaft, dass SEOs alle gleich sind und ähnliche Positionen vertreten, unter uns sind sicher auch CDUler, Grüne, Linke und auch alle anderen Sorten von Menschen.

  2. XAVA sagt:

    Kann mich prinzipiell meinem Vorredner anschließen. Natürlich haben auch SEOs eine gesamtgesselschaftliche Verantwortung, möglicherweise eine größere als viele andere Berufe. Doch am Ende entscheidet meistens auch hier der finanzielle Aspekt. Wenn die Bezahlung stimmt dann wird auch fleißig auf “Kredit ohne Schufa” optimiert. Bin mal gespannt in welche Richtung sich dieses Thema noch entwickeln wird.

  3. Frank sagt:

    Danke für die Stellungnahme. Eine weitere wichtige Stimme in den Reaktionen auf meinen Artikel. Angenehm differenziert. Und klar, Marcus und Marco habe ich natürlich genannt als die bekanntesten Vertreter in Sachen Lobby für Gemeinnützigkeit, was aber nicht heisst, dass es keine anderen gibt.

  4. [... Auch eine andere Berufsgruppe stellt sich die Frage an welchen Urteilen sich menschliche Verhaltensweisen messen lassen sollte. Gilt für die SEOs wirklich: “Was Moral ist definiert derjenige mit den meisten Links.” (Zitat von U. Weider von xplus-web.de, durch den ich auf die Fragestellung aufmerksam wurde.) ...]