Erstklassige Dienstleistungen

Für den europäischen Dienstleistungssektor, der immer stärker auf Forschung und Entwicklung, Patente sowie neue und effizienzsteigernde Betriebsabläufe setzt, spielt Innovation eine herausragende Rolle.

Die Anzahl innovativer Dienstleistungsunternehmen ist noch immer niedrig im Vergleich zum Innovationsniveau des traditionellen verarbeitenden Gewerbes – und dies, obwohl die europäische Dienstleistungsbranche weiter wächst und andere Wirtschaftszweige in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung übertrifft. Der Dienstleistungssektor beschäftigt heute 70 % aller Erwerbstätigen in Europa und hat einen Anteil von 72 % an der Bruttowertschöpfung aller 27 EU-Mitgliedstaaten. Die Innovationsförderung in diesem Sektor gilt als wichtiger Katalysator zur künftigen Sicherung der Beschäftigung und des Wirtschaftswachstums.

Was Dienstleistungsinnovationen von der traditionelleren Rolle von Innovation etwa in der Industrie unterscheidet, ist die Tatsache, dass sie viel nutzerorientierter und nicht zwangsläufig technologisch sind. Technologie wird hier eher als Werkzeug eingesetzt, das die Entwicklung neuer Dienstleistungsideen und neuer dienstleistungsorientierter Geschäftsmodelle ermöglicht. So kann es sich bei einer Dienstleistungsinnovation zum Beispiel um ein neues Kundenkontaktforum handeln, um ein Vertriebssystem oder eine neuartige Technologieanwendung im Dienstleistungsprozess.

Angesichts der zunehmenden Internationalität und Komplexität des europäischen Dienstleistungssektors müssen heutzutage Aktivitäten auf strategischer, ja sogar betrieblicher Ebene grenzüberschreitend abgewickelt werden. An diesem Punkt kommt die EU ins Spiel. Im September 2009 veröffentlichte die Europäische Kommission ein Arbeitspapier der Kommissionsdienststellen zu den Herausforderungen der EU bei der Unterstützung von Innovationen im Dienstleistungsbereich, das insbesondere auf die notwendigen Bedingungen einer erfolgreichen Vermarktung solcher neuen Ideen eingeht. Die Europäische Kommission verwaltet außerdem eine europäische Innovationsplattform für wissensintensive Dienstleistungen, eine Art Labor zur Erforschung neuer Möglichkeiten bei der Unterstützung innovativer Dienstleistungsunternehmen, sowie das Projekt EPISIS zur Förderung einer Politik, die Dienstleistungsinnovationen unterstützt.

Blick in die Zukunft
Die Europa-INNOVA-Initiative der Europäischen Kommission soll Interessenvertreter im Bereich unternehmerischer Innovationen informieren und unterstützen. In Zusammenarbeit mit dem EPISIS-Projekt fand im Juni 2010 in Kopenhagen eine dreitägige Veranstaltung zur Partnervermittlung vor allem im Bereich Dienstleistungsinnovationen statt. Dabei wurde untersucht, wie Dienstleistungsinnovationen dazu beitragen könnten, die kürzlich in der Strategie Europa 2020 vorgestellten Ziele für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum zu erreichen, und welche Art von Unterstützung benötigt wird, um Dienstleistungsinnovationen zu fördern. Die gesellschaftlichen Herausforderungen Europas, etwa seine alternde Bevölkerung und der Klimawandel, und die dadurch steigende Nachfrage nach Dienstleistungen und neuen Lösungsansätzen kamen ebenfalls zur Sprache. Es wurden Beispiele genannt, wie Dienstleistungsinnovationen das Leben der Bürger Europas verbessern könnten, etwa durch Schaffung neuer Beschäftigungsmöglichkeiten in neuen dienstleistungsorientierten Industrien.

Auf der Konferenz wurden zwei neue europäische Initiativen zur Unterstützung von Dienstleistungsinnovationen vorgestellt, die Ende dieses Jahres ins Leben gerufen werden sollen. Bei der ersten handelt es sich um die Europäische Allianz der Kultur- und Kreativwirtschaft zur Förderung einer stärkeren Nutzung des Kreativitätspotenzials in der Wirtschaft insgesamt. Die Allianz soll Möglichkeiten zur besseren Unterstützung der Kreativbranche und für einen verstärkten Dialog mit anderen Industriezweigen prüfen. Ziel dieser Initiative ist es, zusätzliche öffentliche und private Mittel in Höhe von 100 Mio. EUR zu beschaffen.

Die zweite Initiative konzentriert sich auf mobile Dienstleistungen. Die Europäische Allianz für Innovative Mobile Dienstleistungen hat sich beispielsweise zum Ziel gesetzt, die gegenwärtig im Aufbau befindliche europäische Satelliteninfrastruktur in verschiedenen Sektoren wie Bauindustrie, Landwirtschaft und Gesundheitswesen einzusetzen. Bei einer Pilotaktion sollen Innovationsgutscheine zur Unterstützung von Unternehmen ausgegeben werden, die neue Dienstleistungen auf der Basis der GNSS-Programme der EU entwickeln.

Den passenden Rahmen schaffen
Während der Konferenz fand eine Reihe von Debatten statt, bei denen es um Dienste zur Unterstützung der Öko-Innovation, um das Umfeld von Unternehmen, um Cluster sowie um neue Finanzierungsformen für innovative Dienstleistungen ging. Aus den Gesprächen ergab sich die Notwendigkeit zur Förderung vereinfachter und harmonisierter Gutscheinprogramme für Öko-Innovationen und Dienstleistungsinnovationen generell, mit denen den Unternehmen kurzfristig flexible und maßgeschneiderte Dienstleistungen angeboten werden und zugleich die Ergebnisbewertung erleichtert und das Interesse von KMU erfasst werden können. Darüber hinaus sollten die Rahmenbedingungen für Dienstleistungscluster deren Verschiedenartigkeit und ihre Abweichung von traditionellen technologieorientierten Clustern berücksichtigen. Außerdem sollten in Europa sektorspezifische Wachstumsfonds aufgelegt und bereits bestehende Finanzierungsinstrumente an die Bedürfnisse von Dienstleistungsunternehmen angepasst werden, so auch auf dem Sektor der Öko Reisen.

Die von der belgischen EU-Ratspräsidentschaft organisierte dritte Europa-INNOVA-Konferenz findet vom 27. bis 29.Oktober 2010 in Lüttich statt und wird von der Region Wallonien ausgerichtet. Mit der Konferenz soll die Bedeutung von Dienstleistungsinnovationen für die europäische Wirtschaft weiterhin hervorgehoben und auf drei wichtige Ziele hingewiesen werden: Anregung der Kreativität, Förderung der Umweltfreundlichkeit von Industrien und Unterstützung innovativer Unternehmer.

Ernst machen mit Dienstleistungsinnovationen
Im September 2009 wurde im Rahmen von PRO INNO Europe® eine Initiative zur Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen Entscheidungsträgern und Innovationsagenturen im Dienstleistungsbereich gestartet. EPISIS (European Policies and Instruments to Support Innovation in Services) ist eine offene Plattform zur Erörterung politischer Empfehlungen, Erprobung neuer politischer Konzepte zur Unterstützung von Dienstleistungsinnovationen und Ausrichtung politikorientierter internationaler Konferenzen.

Mit dem Projekt EPISIS soll das Verständnis für Dienstleistungsinnovationen gefördert und für eine veränderte Denkweise geworben werden, die diese Innovationen als eine Triebkraft begreift, die der EU starke wirtschaftliche Impulse verleiht. Im Rahmen des Projekts sollen auf operativer Ebene neue und effizientere Fördermodelle entwickelt werden, bei denen die eigenen einzelstaatlichen Mittel der Partner zusammengefasst werden. Zu dem Projekt zählt auch eine europäische Denkfabrik für Dienstleistungsinnovationen, mit deren Hilfe sich abzeichnende Bedürfnisse ermittelt und politische Empfehlungen erarbeitet werden sollen. Diese Denkfabrik besteht aus Vertretern sowohl aus den EPISIS-Partnerländern als auch aus anderen Ländern, die sich bis zum Abschluss des Projekts im Jahr 2012 zweimal jährlich treffen.

EPISIS steht unter der Leitung von Tekes, der finnischen Förderagentur für Technologie und Innovation, und bringt den deutschen Projektträger PT-DLR, die schwedische Innovationsagentur VINNOVA, die dänische Agentur für Wissenschaft, Technologie und Innovation DASTI sowie das britische Ministerium für Unternehmen, Innovation und Weiterbildung zusammen. Die fünf Partner verwalten Mittel in Höhe von über 450 Mio EUR. Quelle: PM © Europäische Kommission



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